Stern Depot Weinheim - große Solidarität

18.01.2019 11:28

Die Anordnung aus dem Rathaus der Stadt Weinheim schlägt eine hohe mediale Welle und ruft zur Solidarität mit dem Stern Depot in Weinheim auf. Denn, das Stern-Depot muss zurück in die Innenstadt ziehen.

Es gibt inzwischen mehrere Artikel dazu online, unter anderem auf den Seiten der Weinheimer Nachrichten. Den ersten Bericht können Sie hier einsehen: Weinheimer Nachrichten Kleeblatt bringt kein Glück

Stern Depot Weinheim

Und hier der Text:

Weinheim. Der Brief der Stadt traf Tanja Pressler Mitte Dezember wie ein Hammer. Erst im April hatte sie viel Geld investiert und war mit ihrem Stoffgeschäft „Stern-Depot“ von einem Ladenlokal in der Bahnhofstraße in neue, 1000 Quadratmeter große Räume im Gewerbegebiet in der Daimlerstraße umgezogen. 300 Quadratmeter Verkaufsfläche, der Rest als Lagerraum für den gut gehenden Online-Handel, Räume für Nähkurse – endlich genug Platz, freute sie sich.

Die Stadt Weinheim ließ Pressler in ihrem Schreiben wissen, dass die von ihr angemieteten Räume baurechtlich nicht für den Einzelhandel mit Stoffen, Kurzwaren und Dekoartikeln zulässig sind und dass sie das Geschäft bis zum 31. März aufgeben muss. Der Grund dafür ist der gültige Bebauungsplan „Weinheimer Kleeblatt“, der für den gesamten Bereich ein Gewerbegebiet festsetzt. Zulässig seien lediglich Einzelhandelsbetriebe mit nichtzentrenrelevanten Sortimenten. Doch genau das sei beim Stern-Depot nicht der Fall.

„Ich kann das ja verstehen und ich habe mich auch bemüht, größere Räume in der Innenstadt zu finden. Aber ohne Erfolg“, sagt Pressler, die vorher mit ihrem Geschäft in der Bahnhofstraße auf 300 Quadratmetern ansässig war. In Sachen Laufkundschaft war der Standort klasse, in punkto Warenanlieferung und -abholung aufgrund der Parkplatzsituation hingegen nicht. Trotzdem will sie nun an ihren alten Standort zurückkehren. Das Geschäft hat sie mangels Nachmieter nach wie vor zur Verfügung.

Die Stadt hat inzwischen reagiert. City-Managerin Maria Zimmermann hat angeboten, Pressler bei der Suche nach neuen, innenstadtnahen Räumen zu helfen. Doch dafür sei es nun zu spät, findet Pressler. „Das hätte ich mir früher gewünscht. Und auch die Art und Weise, wie die Stadt mit mir als Gewerbesteuerzahlerin umgeht, war nicht okay. Ich will jetzt nur noch damit abschließen und zurück in mein altes Geschäft“, sagt Pressler, die in der Daimlerstraße acht Angestellte beschäftigt hat. In der Bahnhofstraße wird sie sich dann vor allem auf den Online-Handel konzentrieren und samstags einen Lagerverkauf anbieten.

Obwohl die Rechtslage eindeutig ist, gibt Weinheims Pressesprecher Roland Kern zu: „Die Situation von Frau Pressler ist wirklich schwierig, auch wenn sie oder zumindest ihr Vermieter eigentlich die Rechtslage hätten kennen und beachten müssen, bevor sie hohe Investitionen tätigt.“ Auch der Vorsitzende der Innenstadtkaufleute, organisiert im Verein Lebendiges Weinheim, Christian Mayer, hat Verständnis für Presslers Verdruss. „Trotzdem müssen Beschlüsse, die Stadt und Gemeinderat gefällt haben, auch so umgesetzt werden“, sagt Mayer, der für die Freien Wähler einen Sitz im Gemeinderat hat.

Weinheim sei übrigens mit seinem Kurs bei diesem Thema nicht allein. Die Stadtplaner betonen, dass ein Beschluss wie in Weinheim, innenstadtrelevante Sortimente in Gewerbegebieten nicht zuzulassen, auch in allen deutschen Groß- und Mittelstädten genauso gehandhabt werde. Ziel sei es, die Innenstädte als soziale und kulturelle Mittelpunkte zu erhalten. „Dieses Ziel ist unstrittig – und genau aus diesem Punkt gibt es solche Bebauungspläne“, so Kern. vmr

Den 2. Artikel der Weinheimer Nachrichten finden Sie hier: Große Solidarität mit dem Stoff Geschäft Stern Depot

Auch hier der Artikel in verschriftlichter Form:

Weinheim. Ärger, Wut, Enttäuschung, Unverständnis und eine gewaltige Welle Solidarität: Die Nachricht, dass Tanja Pressler, Inhaberin des Stoffgeschäfts „Stern-Depot“ aus ihren Räumen in der Daimlerstraße in Weinheim raus muss, hat gestern für enorme Resonanz gesorgt. 

Im April war Pressler mit ihrem Stoffgeschäft „Stern-Depot“ von einem Ladenlokal in der Bahnhofstraße in die neuen, 1000 Quadratmeter großen Räume im Gewerbegebiet umgezogen. 300 Quadratmeter Verkaufsfläche, der Rest als Lagerraum für den gut gehenden Online-Handel und Räume für Nähkurse boten endlich genug Platz. 

Dann die Schock-Nachricht: Die Stadt Weinheim ließ Pressler jetzt in einem Schreiben wissen, dass die von ihr angemieteten Räume baurechtlich nicht für den Einzelhandel mit Stoffen, Kurzwaren und Dekoartikeln zulässig sind und dass sie das Geschäft bis zum 31. März aufgeben muss (siehe auch weiteren Bericht unten).  
Tanja Pressler traute ihren Augen kaum. „Um Gerüchten vorzubeugen“ hat sie sich am Donnerstagmorgen in einer Videobotschaft in der sie erklärt, was ihr widerfahren ist und wie es jetzt weitergehen soll via Facebook an die Öffentlichkeit gewandt. Es gab Hunderte von Reaktionen auf ihre Worte und auf die Berichterstattung in unserer Zeitung. Kaum jemand  zeigte Verständnis für die Entscheidung der Stadt. Abends äußerte sich Pressler dann in einem Live-Video auf Facebook erneut und beantwortete über eine Stunde lang Fragen von Kunden, Freunden und Unterstützern. Inzwischen hat sich eine eigene, interne Facebook-Gruppe gegründet (“Hilfe für Stern Depot Rettung Gemeinsam sind wir Stark“), in der sich mehrere Hundert Menschen gemeinsam für Pressler einsetzen wollen. Erste E-Mails an die Stadt sind raus, mehrere Stimmen wurden laut, eine Online-Petition ins Leben zu rufen, auch Fernsehsender sollen informiert werden.
Auch auf der wnoz-Facebook-Seite wurde das Thema am Mittwoch vielfach kommentiert. Neben dem Ärger und dem Unverständnis, das zahlreiche Leser äußerten, wurden auch vielfach Rufe laut, Pressler solle Weinheim doch einfach den Rücken kehren, „wenn die Stadt so mit ihr umgehe“. 

Wütende Leser 
Wütend reagierten mehrere Leser, als sich die Stadt selbst in die Diskussion einmischte und schrieb: „Auch wir finden es sehr schade und haben großes Verständnis für Frau Pressler. Unser Stadtmarketing hilft ihr jetzt bei der Suche nach einem neuen Laden in der Innenstadt. Wir wollen das Stern Depot unbedingt in Weinheim halten. Aber findet Ihr es wirklich richtig, wenn so attraktive Geschäfte die Innenstadt verlassen und sich in einem ziemlich öden Gewerbegebiet zwischen Speditionen ansiedeln. Ganz im Ernst, wollt Ihr dann so eine Stadt?“
Eine Leserin schrieb dazu: „Ein Geschäft in der Innenstadt, das nur noch Samstags geöffnet hat und Angebote wie Nähkurse einstellt, ist also attraktiver, als ein Laden im Gewerbegebiet mit ordentlichen Öffnungszeiten und tollen Angeboten? Interessant, Stadt Weinheim. Von der Parkplatzsituation und dem aktuell eh katastrophalen Weg mit dem Auto in die Weinheimer Innenstadt dank der Baustellen gar nicht zu reden. Bevor ich aktuell in die Stadt fahre, würde ich lieber in ein ödes Gewerbegebiet fahren oder gleich nach Viernheim ins RNZ. Da gibt es wenigstens ordentliche Parkplätze.“ 

Lösung wird gesucht 
Tanja Pressler konterte den Kommentar der Stadt damit, dass die Hilfe erst gekommen sei, nachdem sich die Presse gemeldet habe. Im Brief, den sie vergangene Woche erhalten habe, wurde ihr „viel Erfolg bei der Suche gewünscht und mit einer Geldstrafe gedroht. Wo bitte war da die Hilfe? Ich hätte mir gewünscht, das man eine gemeinsame Lösung findet und nicht einen solchen Brief raushaut.“

Vielleicht klappt es ja doch noch mit der gemeinsamen Lösung. Dass Pressler aus der Daimlerstraße raus muss, das steht zwar fest. Roland Kern, Pressesprecher der Stadt Weinheim sagte am Donnerstagmorgen auf Nachfrage aber: „Wir sind intensiv dabei, eine Lösung zu suchen.“  

+++Update+++


Inzwischen gibt es eine Online-Petition

Hier geht es zur Online-Petition



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